Helmholtz' HeidelbergHeidelberg war eine vom Barock geprägte Stadt. Fast alle öffentlichen Bauten entstanden im 18. Jahrhundert nach den Zerstörungen des pfälzischen Erbfolgekrieges.
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war in der westlichen Vorstadt viel Platz.
Stadtpkan 1812 (gesüdet)
(Hoffmeister, Friedrich Ludwig: Plan der Stadt Heidelberg.
In: Almanach der Universität Heidelberg, 1812)
Dies änderte sich, als die Eisenbahn nach Heidelberg kam.
1840 wurde der erste Bahnhof westlich der großen Sandkiste (vgl. Plan von 1812) eröffnet.
Zunächst verband die Bahn nur Heidelberg und Mannheim.
Die Fahrzeit für die 20 km lange Strecke
reduzierte sich von drei Stunden (Postkutsche) auf ca. 40 Minuten.
Die Straßenbahn benötigt heute — allerdings mit sehr vielen Stationen —
55 Minuten.
1843 erfolgte der Ausbau
nach Karlsruhe und 1848 die Anbindung an die hessische Bahn
nach Frankfurt. 1862 — Helmholtz lebte bereits vier Jahre in
Heidelberg — wurde mit einem Tunnel unter dem
Schlossberg die Bahnstrecke nach Osten bis Mosbach und
Würzburg erweitert.
Der Bahnhof am Westende der Vorstadt (etwa an der Stelle des jetzigen Menglerbaus) wurde schnell ein Zentrum der Stadt. Um den Bahnhof herum siedelten sich neue Hotels an. Die Leopoldstraße (heute Friedrich-Ebert-Anlage), die erst um 1830 als Straße ausgebaut wurde, wurde eine begehrte Wohngegend. In der Vorstadt setzte ein Bauboom ein, der sich nach 1870 noch steigerte.
1853 begann die städtische Gasversorgung und Straßenbeleuchtung. Vorher musste man selbst abends mit einer Laterne für die Ausleuchtung des Weges sorgen.
1877 wurde die Theodor-Heuss-Brücke — früher Friedrichsbrücke — als zweite Brücke über den Neckar zur Anbindung des neuen Stadtteils Neuenheim gebaut. Bis dahin gab es nur die Alte Brücke.
Ab 1885 fuhr die Pferdebahn durch die Hauptstraße, die 1902 durch die Elektrische ersetzt wurde.
Im gleichen Jahr begann der öffentliche Telefonverkehr. Zwar zunächst nur mit 50 Teilnehmern, aber dies änderte sich rasch. In den Städtischen Adressbüchern am Ende des Jahrhunderts sind dann die Telefonnummern verzeichnet; außerdem wird bei den glücklichen Besitzern eines Bankkontos auch die Bank angegeben. (Ich hielt zunächst die Telefonnummer für die Kontonummer und fand dies sehr merkwürdig.)
Seit dem Mittelalter wurden Quellen am Hang des Königstuhls benutzt und in Röhren aus Holz, Ton
oder Blei in die Stadt geleitet. Die Bürger schlossen sich zu Brunnengemeinden zusammen und
wählten zur Wartung der Anlagen einen Brunnenmeister. Zusätzlich wurden nördlich der
Hauptstraße Brunnen gegraben, die aber hygienisch bedenklich waren, und der Neckar für
Brauchwasser genutzt. 1833 versuchte man vergeblich in der Nähe der Stadthalle einen
artesischen Brunnen zu bohren.
1852 gab es in Heidelberg 10 öffentliche Brunnen, 22 Brunnengemeinden und 25
Privatbrunnen.
Der Anstoß zur Weiterentwicklung ging wiederum von einem Verein aus.
Der 1856 gegründete Naturhistorisch-medicinische Verein initierte 1870
die Denkschrift »Die Reinigung und Entwässerung der Stadt Heidelberg. Nebst einem Anhang
über die Wasserversorgung der Stadt«, die federführend vom Arzt
Dr. Karl Mittermaier (1823–1917),
der ab 1856 in der Theaterstr. 8 wohnte, verfasst wurde.
1872 begann man in Heidelberg mit der städtischen Wasserversorgung. Hauptsächlich nutzte man
die ergiebigen Quellen am Wolfsbrunnen.
Ähnlich stand es mit der Entsorgung. Zwar durfte man nicht den Unrat auf die Straße werfen
und die Anlieger waren bei einer Strafe von 30 Kreuzern verpflichtet
(Verordnung vom 4. November 1842), ihre Straßen sauber zu halten. Im Laufe der Jahrhunderte war
für das Abwasser ein Kanalnetz entstanden, das aber wegen technischer Fehler unzureichend war.
1868 formierte sich der Tonnenverein zur Abfuhr von Fäkalien und anderem Abfall.
Der Tonnen wurden weit draußen am Westrand der Stadt geleert.
Karl Mittermaier schuf hierfür mit Eduard Lipowsky die luftdicht
verschließbare Heidelberger Tonne.
Die Abfallabfuhr wurde 1888 von der Stadt übernommen.
Lit.:
HGV - Zeiten: ab 1850; ADR-HD 1860, S. 165 f;
Meyers Konversations-Lexikon Bd. 15 (1889), S. 753;
Goetze, Jochen: Geschichte der Wasserversorgung in Heidelberg. In:
Heidelberger Altstadtbrunnen / hrsg. von Peter Blum. - Heidelberg, 1996. - S. 13–23
(Signatur UB Heidelberg: 97 C 293)
Lipowsky, Eduard: Ueber Entstehung und Einführung des Heidelberger Tonnen-Systems. -
Heidelberg, 1878. - 36 S,
(Signatur UB Heidelberg: Z 3247::1-18)
Die für Helmholtz wichtigen Heidelberger Bauten werden in der Abfolge von Westen nach Osten und von Norden nach Süden abgehandelt.
Das Bahnhofsgebäude wurde wie alle Bauten der Badischen Bahn dieser Zeit
vom Eisenbahnarchitekten Friedrich Eisenlohr (1805–1854) entworfen.
Friedrich Eisenlohr entstammte der weitverzweigten badischen Familie
Eisenlohr. Nach dem Studium und
einem dreijährigen Italienaufenthalt arbeitete er ab 1832 als Lehrer am
Polytechnikum Karlsruhe. Dort wurde er 1839 zum Professor für
Konstruktionslehre ernannt.
Eisenlohr kümmerte sich auch um sämtliche Details der Ausstattung bis hin
zu den Türdrückern. Den bekanntesten Entwurf Eisenlohrs findet man bei
der Schwarzwälder Kuckucksuhr. Das Häuschen imitiert das Eisenlohrsche
Streckenwärterhaus.
Die Gestaltungsprinzien des Eisenlohrschen Bahnhofs sind gut auf der
vorstehenden Abbildung des Mannheimer Bahnhofs erkennbar.
Eisenlohr baute für die Züge offene Hallen, die den Abzug von
Rauch und Dampf ermöglichten. Das Giebelfeld wurde durch ornamental
geschnitzte Holzbalken gebildet. Dazu kam Räume für das Personal, die
Reisenden und ihr Gepäck, sowie Maschinenhäuser mit Wasserspeicher
und Kohlenlager für die Lokomotiven.
1862 entstand direkt neben dem Bahnhof ein zweiter für
die Odenwaldbahn.
Der Bau der Odenwaldbahn Heidelberg–Meckesheim–Mosbach wurde im November 1856 von der badischen Regierung beschlossen.
Die Strecke verlief nicht im Neckartal, weil man dort hessisches Gebiet queren musste.
Die neue Bahnlinie war technisch wesentlich anspruchsvoller als die Verbindung Heidelberg–Mannheim, die über
topfebenes Gelände führt.
Neben einer
großen Neckarbrücke vor Mosbach waren mehrere Tunnelbauten erforderlich.
Gleich nach dem Start am Heidelberger Bahnhof kam der Gaisbergtunnel. Dann folgte die Bahn dem Verlauf des
südlichen Astes der heutigen Friedrich-Ebert-Anlage und passierte hinter der Peterskirche den kurzen Spitaltunnel
und den Schlossbergtunnel.
1955 wird der Hauptbahnhof, der am alten Standort nicht ausgebaut werden konnte, ca. 1 km nach Westen verlegt und die Trassenführung geändert. Die Bahn fährt jetzt durch den großen Königstuhl-Tunnel und die ehemalige Eisenbahnstrecke bis zum Karlstor wurde ab 1962 Autostraße.
An der Stelle des alten Bahnhofs entsteht 1961 in der Kurfürstenanlage 3 der Menglerbau, das erste Wohnhochhaus in der Heidelberger Innenstadt.
Lit.: MÜLLER Nr. 232, S. 226
Erst 1830 wurde dieser Weg zur Leopoldstraße ausgebaut. Nach Eröffnung des Heidelberger Bahnhofs 1840 an ihrem westlichen Ende wurde die Straße in nur drei Jahrzehnten fast vollständig bebaut.
Der Gymnasialprofessor Adam Leber (1806–1884), Vater des Augenarztes Theodor Leber (1840–1910), baute mehrere Häuser in der Anlage, um sie anschließend zu verkaufen. Heute würde man ihn vermutlich als üblen Spekulanten beschimpfen, seinerzeit rühmte man aber seine Aufbauleistung für die Stadt. So schrieb die Karlsruher Zeitung, 14 am 17. 1. 1860:
(Heidelberg, 15. Jan.) Prof. Leber dahier ist von unserer Regierung als Lehrer des französischen Sprache und Literatur an das Polytechnicum nach Karlsruhe unter vorteilhaften Bedingungen berufen worden […] Herr Leber bekleidete früher eine Reihe von Jahren eine philologische Lehrstelle an dem hiesigen Gymnasium, sah sich aber veranlaßt, diese Stelle freiwillig niederzulegen und sich ins Privatleben zurückzuziehen.Seitdem verdankt unsere Stadt seinem mutigen Unternehmergeist eine wesentliche Verschönerung. Der weit größte Teil der hübschen Häuserreihe, die Anlage genannt, das fashionable Quartier unserer Stadt, ist von Leber in wenigen Jahren ins Leben gerufen worden, was nicht wenig dazu beitrug, Heidelberg zu einem immer beliebteren Aufenthalt von Fremden aller Nationen zu machen.
Die Leopoldstrasse wurde nach dem 2. Weltkrieg in Friedrich-Ebert-Anlage umbenannt. Zum gleichen Zeitpunkt wechselte der Wrede-Platz den Namen und heißt jetzt Friedrich-Ebert-Platz.
Der Literaturhistoriker Georg Gottfried Gervinus (1805–1871)
lebte seit 1839 in Heidelberg. Gleich am Anfang seiner Heidelberger Zeit
kaufte er für sich und seine Frau, die er bereits 1836 geheiratet hatte,
ein Haus am rechten Neckarufer. Nach einigen Jahren war es ihm verleidet.
Er verkaufte das Haus 1844 und lebte zur Miete in
der Ziegelhäuser Landstr. 17.
1862 erwarb er das Haus in der Ebert-Anlage von Adam Leber,
das er bis zu seinem Tod bewohnte.
Im Herbst 1869 bezog der Mathematiker
Leo Koenigsberger
die Wohnung im Erdgeschoss.
Er kam häufig nachmittags oder abends mit dem Ehepaar
Gervinus zusammen. Er bezog nach seiner Heirat 1873 eine größere Wohnung.
Koenigsberger befreundete sich mit dem Physiker
Gustav R. Kirchhoff
und mit dem Chemiker Robert W. Bunsen.
Kirchhoffs erste Frau war am Tag vor Koenigsbergers Ankunft gestorben und
Bunsen war wie Koenigsberger Junggeselle.
Die drei Herren spielten
gemeinsam Karten und unternahmen Spaziergänge.
An diesen kleinen
Wanderungen beteiligte sich oft
Hermann Helmholtz,
zu dem Koenigsberger
mit großer Verehrung aufsah.
Auch dieses Haus wurde um 1858 von Adam Leber erbaut. Es wurde die erste Heidelberger Wohnung von Hermann Helmholtz. Hier starb seine Frau Olga am 28. Dezember 1859. Seine Schwiegermutter Julie von Velten zog zu ihm und kümmerte sich um die beiden Kinder auch noch nach seiner Heirat mit Anna von Mohl am 16, Mai 1861. Die beiden Kinder lebten mit ihrer Großmutter in der zweiten Etage des Hauses.
Helmholtz' ältester Sohn Richard interessierte sich sehr für die Eisenbahn und wurde später ein renommierter Eisenbahningenieur. Seine Tochter Käthe war malerisch begabt. Sie starb bereits 1877 mit 27 Jahren.
Adam Leber verkaufte 1863 das Haus an den Historiker Ludwig Häusser (1818–1867), der es bis zu seinem Tod bewohnte.
Ehemaliges Dominikanerkloster
Randzeichnung des Heidelberger Stadtplans von 1830
von
Friedrich Hengstenberg
Im Kloster hatte der ordentliche Professor der Physik
Georg W. Muncke (1773-1847) eine Dienstwohnung.
Als Muncke 1847 starb und Philipp Jolly
(1809-1884) in seine Position
nachrückte, erhielt er auch die Dienstwohnung.
Dort konnte er dann das
Labor für Studenten einrichten, das
er seit 1846 gefordert hatte.
Die Ausstattung finanzierte er im
Wesentlichen aus eigenen Mitteln.
Im Sommer 1850 musste das Institut
in das gegenüber gelegene
„Haus zum Riesen“ umziehen,
da im alten Kloster nach der Niederschlagung der Badischen Revolution 1848/49
preußische Truppen untergebracht
wurden.
Naturwiss. Institut — Friedrichsbau
Der Abriss des alten Klosters und der Neubau der Naturwiss. Institute, für den schon Entwürfe von Heinrich Hübsch (1795-1863) bestanden, wurde zunächst zurückgestellt.
Hermann Helmholtz wurde bei seiner Berufung 1858 der Neubau eines Instituts zugesagt. Daher war die Universität im Zugzwang und nahm die Planungen wieder auf. Wilhelm Waag (1821-1889), von 1853 bis 1875 Großherzoglicher Bezirksbauinspektor in Heidelberg, errichtete 1861-64 das neue Institut.
Die Dreiflügelanlage enthielt im Mittelbau zwei Dienstwohnungen; die Wohnung im 1. Stock (mit Balkon) hatte Hermann Helmholtz inne, die im 2. Stock Gustav R. Kirchhoff.
Im Institut befindet sich nach Angabe des Universitätsadressbuchs vom SS 1865 folgende Einrichtungen: Physiologisches Institut, Physikalisches Kabinett, Mineralien-Kabinett, Modell-Kabinett (Physik und Mathematik) und das 2. Chemisches Laboratorium. Das Physiologische Institut, das Hermann Helmholtz unterstand, war der Medizinischen Fakultät zugeordnet, alle anderen Einrichtungen gehörten zur Philosophischen Fakultät.
Lit.: MÜLLER Nr. 104, S. 109; STADT, S. 237f
1954 bezog die Mathematik ihr neues Institutsgebäude im Neuenheimer Feld.
1970 verließ die Mineralogie als letztes naturwissenschaftliches Institut den Friedrichsbau.
Seit 1974 benutzt das Psychologische Institut das ehemalige Naturwiss. Institut.
Haus zum Riesen
Eberhard Friedrich Freiherr von Venningen (1643-1710) tauschte 1706 sein Grundstück in der Kettengasse, das der Kurfürst den nach Heidelberg gerufenen Jesuiten zur Verfügung stellen wollte, gegen das gegenüber dem Dominikanerkloster gelegene in der Vorstadt und ließ dort von Johann Adam Breunig (um 1660 - 1727) sein neues Palais errichten. Der plastische Schmuck des Baues — insbesondere die monumentale Figur des Hausherrn — wurde von dem aus Ungarn stammenden Bildhauer Heinrich Charrasky (1656-1720) geschaffen.
Lit.: MÜLLER Nr. 52, S. 68; STADT, S.238f
Im Sommersemester 1850 musste das Naturwiss. Institut in das „Haus zum Riesen“ umziehen, da im vorher genutzten alten Dominikaner-Kloster nach der Niederschlagung der Badischen Revolution preußische Truppen Quartier bezogen.
Im „Riesen“ wurden Hörsäle, naturwissenschaftliche Sammlungen und Arbeitsräume der Professoren sowie das Studentenlabor Jollys untergebracht.
Das „Haus zum Riesen“ wurde bis zum Neubau der naturwissenschaftlichen Institute 1863 von der Physik benutzt. Die Entdeckung der Spektralanalyse 1860 durch Robert W. Bunsen und Gustav R. Kirchhoff ist das bedeutendste Datum der Wissenschaftsgeschichte, das sich mit diesem Bau verbindet.
Literatur:
Quincke, Georg:
Geschichte des physikalischen Instituts der Universität
Heidelberg : Akademische Rede. — Heidelberg, 1885. — 39 S.
Signatur UB Heidelberg: Mays Brosch. 26,34
Ebert-Platz — Bunsenbau
An der Nordseite des Platzes steht das für den berühmten Chemiker Robert W. Bunsen errichtete Chemische Laboratorium. Es war der erste Neubau eines naturwiss. Instituts im 19. Jahrhundert. Der Architekt Heinrich Lang erbaute 1854/55 das Institut mit der Professorenwohnung im ersten Stock.
Lit.: MÜLLER Nr. 102, S. 108; STADT, S. 413f
Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899) studierte in Göttingen Naturwissenschaften und habilitierte sich dort 1834. Er wirkte zunächst als Lehrer an der Polytechnischen Schule in Kassel; 1839 wurde er als a.o. Prof. an die Universität Marburg berufen und 1841 zum ord. Prof. ernannt. 1851 wechselte er an die Universität Breslau. Dort traf er den jungen Physiker Gustav Robert Kirchhoff, mit dem ihn fortan eine enge Freundschaft verband. 1852 wurde Bunsen als Nachfolger Leopold Gmelins an die Universität Heidelberg berufen.
Am Tag vor Koenigsbergers Ankunft 1869 erlitt Bunsen einen Laborunfall, bei dem zunächst die Befürchtung bestand, dass er erblinden könnte. In bangem Warten versammelten sich Studenten und Bürger auf dem Platz. Als der Arzt Prof. Nikolaus Friedreich auf den Balkon trat und verkündete, dass Bunsen keinen bleibenden Schaden davongetragen hatte, umarmten sich die Menschen und warfen unter Hochrufen ihre Mützen in die Luft.
Am 16. Mai 1861 heiratete Hermann Helmholtz in dieser Kirche Anna von Mohl.
Die Kirche wurde 1659-61 durch den Steinmetzmeister Theodor Reber als lutherische Kirche erbaut. 1717 wird das Dach als Mansarddach durch Johann Jabok Rischer errichtet; 1738 folgte der Bau des Turms durch den gleichen Architekten. 1885/86 wurde die Kirche einer umfassenden Renovierung durch Hermann Behaghel unterzogen, bei der die reiche Innendekoration entfernt wurde.
Lit.: MÜLLER Nr. 76, S. 82; STADT, S. 247f
Johann Philip Sabel (1795-1865) war ab 1939 Pfarrer der Peterskirche, dann ab
1856 Dekan an der Providenzkirche.
Carl Zittel (1802-1871) war Stadtpfarrer der Peterskirche (1849-1864), dann bis
zu seinem Tod Dekan und Stadtpfarrer an der Providenzkirche.
Die Standesbücher von Peterskirche und Providenzkirche wurden gemeinsam geführt.
Sie benennen folgende Ereignisse der Familie Helmholtz:
Seit Ende 1835 gab es in Heidelberg ein zum Harmonie-Verein gehörendes Theaterensemble, das in Gasthäusern und Vereinslokalen auftrat. 1852 formierte sich ein Kommitee zur Errichtung eines Theaterbaus. Das 1853 durch Ludwig Lendorff erbaute Theater wurde somit nicht durch die Stadt sondern privat finanziert.
Im Theatervertrag vom 7. April 1853 verpflichtete sich die Stadt zu einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 1000 fl. und das Theater im Gegenzug zu 40 Aufführungen im Jahr.
1874 übernimmt die Stadt das Theater.
Lit.: STADT, S. 472, MÜller Nr. 101, S. 107, HGV Zeiten: ab 1850
Der Wormser Hof, das Stadthaus der Wormser Bischöfe, wird bereits 1409 urkundlich erwähnt. 1610, als Kurfürst Friedrich IV. das Anwesen erwarb, entstand das Renaissanceportal.
1840 kaufte die
Bürgergesellschaft Harmonie das Haus und baute es um,
um es für Bälle nutzen zu können. 1843 wurde eine Musik-
und Gesangsschule angegliedert.
In den Räumen des Vereins fand am 5. März 1871 die Abschiedsfeier für
Helmholtz statt, zu der der Prorektor der Universität
Johann Caspar Bluntschli, der Dekan der med. Fakultät
Wilhelm Lange, Gustav Kirchhoff für den
naturhistorisch-medizinischen Verein und Eugen Laur für den
historisch-philos. Verein luden.
1956 wurde das Haus abgerissen und das Harmonie-Kino erbaut. 2019 wich das Kino einem Supermarkt.
Die Heidelberger Universität verfügte bis 1390 nicht über eigene Räume.
Der Lehrbetrieb fand in den Klöstern der Stadt statt, vor allem in dem auf den
heutigen Universitätsplatz befindlichen Augustiner-Kloster. An der Stelle der
heutigen Alten Universität wurde 1591 durch Pfalzgraf Johann Casimir ein
Kollegienbau (Wohnhaus für Studenten und Dozenten) errichtet.
Dieses Gebäude wurde im Pfäzischen Erbfolgekrieg zerstört.
Kurfüst Johann Wilhelm veranlasste dann 1712 den Bau des
Universitätshauptgebäudes durch Johann Adam Breunig.
1886 wurde es anlässlich des 500-jährigen Jubiläuns der Universität
von Josef Durm umgebaut und die Aula neu ausgestattet.
In der Aula finden die zentralen Veranstaltungen statt, vor allem die
Einführungsreden und Jahresberichte der Rektoren; so auch 1862 die Rede von
Hermann Helmholtz
Über das Verhältnis der Naturwissenschaften zur Gesamtheit der Wissenschaften.
Neues Kollegienhaus, vormaliges Musäum
Quelle: [SCHMIEDER], S. 59
Der Vorgängerbau der heutigen Neuen Universität war 1828
durch Friedrich Arnold (1786-1848),
einem Schüler und
Neffen Friedrich Weinbrenners, für die Museumsgesellschaft
errichtet worden. Im Saal des „Musäums“ gab 1830 Robert
Schumann sein einziges öffentliches Konzert.
Hermann Helmholtz hielt hier 1871 seinen Abschiedvortrag.
Über die Entstehung des Planetensystems
1901 wurde das mehrfach umgebaute
Gebäude als Neues Kollegienhaus für die Universität
erworben; 1930/34 wird es durch die Neue Universität ersetzt.
Die 1357 bereits erwähnte Peterskirche war bis 1398 außerhalb der Stadtmauern gelegen. 1401 wurde die Heiliggeistkirche Stadtkirche und die Peterskirche Universitätskirche.
Ende des 15. Jahrhunderts erfolgt ein spätgotischer Neubau durch den Baumeister Bernhart von Knittlingen und Nikolaus Eseler. Die Kirche erhielt eine flache Decke und im Süden wurde die Universitätskapelle angebaut.
Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche im pfälzischen Erbfolgekrieg
schwer zerstört und barock umgestaltet. Der Turm erhielt statt des Spitzhelms
ein flaches Zeltdach.
Die Randzeichnungen Friedrich Hengstenbergs zum Stadtplan von 1830
zeigen noch den barocken Zustand.
Zur Peterskirche gehörte ein großer Friedhof, auf dem zahlreiche Universitätsangehörige bestattet wurden.
Um 1860 wurde ein großer Teil des Friedhofs für die Odenwald-Eisenbahn verkauft. Die Gemeinde kam so unerwartet zu Geld und investierte es in einer neugotischen Renovierung, die fast einem Neubau gleichkam. Unter der Leitung von Ludwig Franck-Marperger und dessen Nachfolger Hermann Behaghel wurde eine dreischiffige, gewölbte Hallenkirche errichtet. Der Turm wurde nach dem Vorbild des Freiburger und Ulmer Münster reich dekoriert.
Die Abbildung in PFAFF, S. 34 zeigt den Zustand um 1889.
Erst 1963 wurde der Turm vereinfacht, so daß er
wieder die Gestalt wie auf dem Merian-Stich von 1620 zeigt.
Lit.: MÜLLER Nr. 7, S. 23
Alte Brücke
Die Alte Brücke am Ende der Haspelgasse war bis 1877 die einzige Neckarbrücke Heidelbergs. Sie war der Zugang der Stadt von Norden.
Zum Vergleich:
Seit dem 13. Jahrhundert bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts überspannte eine hölzerne Brücke den Neckar. Acht Mal wurde sie durch Hochwasser oder Eisgang zerstört, bis 1786/88 eine steinerne Brücke gebaut wurde, die den Naturgewalten besser standhielt.
Über den Architekten der Alten Brücke Mathias Maier ist nur wenig bekannt. Er wurde 1763 als kurfürstl. Bauinspektor angestellt, arbeitete mit Franz Wilhelm Rabaliatti und Nicolas de Pigage zusammen und ist 1791 verstorben.
Seine Planung zur Alten Brücke sah die Nutzung der Fundamente der vorherigen Brücke vor, die noch mit zusätzlichen Holzrosten geschützt wurden, und bot somit einen erheblichen Kostenvorteil.
Lit.: MÜLLER Nr. 85, S. 87; STADT, S. 149-151
Heiliggeistkirche
Das Hauptgebäude des Marktplatzes ist die Heiliggeistkirche.
1398 legte Kurfürst Ruprecht III. den Grundstein zur Heiliggeistkirche, die auf einem älteren Vorgängerbau errichtet wurde, 1400 wurde der Chor, der die Grablege der Kurfürsten enthält, und 1441 das Langhaus fertiggestellt. 1693 brannte die Kirche im Pfälzischen Erbfolgekrieg aus; sie wurde 1698 erneuert. Religiöse Streitigkeiten führten 1705 zur Errichtung einer Scheidemauer, die den katholischen Chor vom protestantischen Langhaus trennte. Sie wurde 1886 zur 500-Jahrfeier der Universität niedergelegt, aber nach den Festjahr umgehend wiedererrichtet. Erst 1936 erfolgte die endgültige Niederlegung der Mauer.
Lit.: MÜLLER Nr. 6, S. 22, STADT, S. 274-276
Die Gründung der Universität fand 1386 im Vorgängerbau statt. Bis 1400 diente die Heiliggeistkirche als Universitätskirche; dann übernahm die Peterskirche diese Funktion. Aber auch später fanden feierliche Akte der Universität in der Heiliggeistkirche statt. So hielt der Philosophieprofessor Kuno Fischer (1824-1907) die Festrede zum 500jährigen Universitätsjubiläum in dieser Kirche.
Hermann von Helmholtz berichtete über diese Rede in einem Brief an seine Frau Anna vom 5. August 1886:
„Gestern war Kuno Fischers große Festrede in der Kirche. Er gab eine sehr lebendige und geschickt zusammen gestellte Übersicht über die politischen und wissenschaftlichen Geschicke der Universität, welche sehr interessant sein wird zu lesen. Ich saß verhältnismäßig günstig und konnte meist alles verstehen und habe auch mit Spannung zugehört, ohne in den mehr als zwei Stunden müde zu werden; aber der Gedanke an die Ausländer und an die vielen, welche nicht so gut hören konnten, hat mich etwas beunruhigt.“Digital: http://histmath-heidelberg.de/txt/Helmholtz/jubel.htm
Henry E. Roscoe vermittelte in seinen Erinnerungen [ROSCOE], S. 76 einen anderen Eindruck von dieser Rede:
"Among other incidents which occurred on that occasion I remember that the formal oration was given by Professor Kuno Fischer before the Grand-Ducal party in the large Protestant church in the Hauptstrasse. The temperature being high and the address very long and tedious, the effect upon the audience was, as might be expected, soporific. Bunsen lapsed into a calm state of unconsciousness, but on a more than usually impressive sentence disturbing his rest he whispered to me, 'I was dreaming that I had let a test-tube full of caesium fall on the floor'."Digital: http://histmath-heidelberg.de/htmg/Roscoe/HD1886.htm
Heidelberger Schloss
Hoch über der Stadt liegt das Renaissance-Schloss, das in der zweiten Häfte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. 1693 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wird es als Ruine noch berühmter.
Lit.: MÜLLER S. 41-51
Helmholtz berichtete im August 1886 seiner Frau Anna, dass zum 500-järigen Jubiläum der Universität in das Bandhaus des Schlosses geladen wurde. (Vgl. Anna von Helmholtz, Band I, S. 294f; es wird irrtümlich die Bezeichnung Landhaus verwendet.)