Heidelberg:
Der Fabrikant Christian Adam Fries und seine Familie

Christian Adam Fries

Der Bankier und Krappfabrikant Christian Adam Fries (1766-1847) hatte 15 Kinder [Anm. 1], darunter die Maler Ernst, Wilhelm und Bernhard Fries.
Er stammte aus einer Alsfelder (Hessen) Kaufmannsfamilie; sein Bruder Ernst Philipp Fries (1772-1829) war Bankier in Mannheim und dessen Sohn Carl August Fries (1808-1884) zählt zu den Gründern der BASF.

Um 1800 heiratete er Luisa Christina Heddaeus (1781-1858), die Tochter des geistlichen Administrations-Raths Philipp Christian Heddaeus.

Der Bankier und Kunstsammler Christian Adam Fries und Frau
Lithographie von Ernst Fries, 1828 (abgedruckt in: Biedermeierin Heidelberg 1812-1853 / hrsg. von Carl-Ludwig Fuchs ... – Heidelberg, 1999. – Seite 26)

1778 hatte Heddaeus eine Krappfabrik in Heidelberg übernommen, für die er 1788 von Kurfürst Carl Theodor für 20 Jahre Privilegien erhielt, die seine Monopolstellung sicherten.[Anm. 2] Fabrik und Wohnhaus lagen auf dem Weg nach Rohrbach (heute Rohrbacherstr. 47-57, früher Rohrbacherstr 13, bzw. in alter Zählung A 81); östlich davon konnte der wärmeliebende Färberkrapp am Hang angebaut werden.
Die Wurzeln der Krapppflanze werden bereits seit der Antike zur Rotfärbung genutzt. Sie werden getrocknet und gemahlen; der Färber benötigt noch Alaun als Beizmittel für Wollstoffe. Aufwendiger ist die Herstellung von Krapplack, die neben den gemahlenen Wurzeln noch Pottasche (Kaliumcarbonat), Alaun und Natronlauge für den chemischen Prozess benötigt. Die synthetische Herstellung des Farbstoff Alizarin der Krappwurzel gelang um 1870 und ging mit einem Niedergang der klassischen Herstellung aus der Krappwurzel einher.

Weinlese bei der Krappfabrik an der Rohrbacher Chaussee
Lithographie von Ernst Fries, 1818
(Quelle: Stadtteilverein West-Heidelberg e.V.)

Bereits 1796 — seine spätere Frau war noch minderjährig — leitete C. A. Fries die Krappfabrik. Auf dem Heidelberger Stadtplan von 1812 [Anm. 3] wird er als Besitzer benannt. Als zweites Standbein betrieb er (spätestens) ab 1810 Wechselgeschäfte. Bis zu seinem Tod werden im Heidelberger Adressbuch unter Handelsstand „Fries C.A., Krappfabrik und Wechselgeschäfte“ angegeben.

Christian Adam Fries stellte nicht nur Malerfarbe her, sondern sammelte auch die Farbprodukte: er nannte eine stattliche Gemäldesammlung von alten niederländischen und zeitgenössischen romantischen Künstlern sein eigen. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Heidelberg zwei bemerkenswerte Gemäldesammlungen: die Sammlung altdeutscher und niederländischer Werke der Brüder Boisserée, die später den Grundstock der Alten Pinakothek in München bildete, und die Fries'sche Sammlung.
Johann Wolfgang von Goethe (1814), Zar Alexander und Kaiser Franz (1815) sowie der Philosoph Hegel (1817) besuchten C. A. Fries.

Der englische Maler George Augustus Wallis (1761-1847), der Wegbereiter der romantischen Landschaftsmalerei, wohnte von 1812 bis 1817 in Heidelberg und verkehrte oft im Hause Fries. C. A. Fries erwarb von ihm 14 Gemälde.

Mit großer Freude unterstützte C. A. Fries den künstlerischen Werdegangs seines Sohnes Ernst (1801-1833), der ein berühmter Landschaftsmaler wurde. Ernst Fries erhielt seine erste Ausbildung in Heidelberg vom Universitätszeichner Friedrich Rottmann (1768-1846), dem Vater des romantischen Malers Karl Rottmann (1797-1850). 1815 setzte Ernst Fries seine Ausbildung beim Karlsruher Hofmaler Karl Kuntz (1770-1830) fort und beendete 1819 sie mit dem Optik- und Perspektivunterricht des Darmstädter Hofbaumeisters Georg Moller (1784-1852). Daran schlossen sich mehrjährige Studienreisen vor allem nach Italien an, die er dank der väterlichen Unterstützung ohne finanzielle Sorgen unternehmen konnte. 1826 entdeckte er gemeinsam mit seinem Malerkollegen August Kopisch (1799-1853) die Blaue Grotte in Capri. Im Sommer 1828 war er wieder in Deutschland und wurde 1831 vom badischen Großherzog Leopold zum Hofmaler ernannt. 1833 schnittt er sich in einem Fieberanfall die Pulsadern auf und verstarb. Er hinterließ seine Witwe Louise (1804-1857) und vier kleine Töchter. Die jüngste war wenige Tage vor seinem Tod geboren worden und starb bereits am Tag seiner Beerdigung.

Selbstbildnis Ernst Fries, 1823
(abgedruckt in: Lohmeyer, Karl: Heidelberger Maler der Romantik. – Heidelberg, 1935. – S. 284)

Die beiden letztgeborenen Söhne Wilhelm (1819-1878) und Bernhard (1820-1879) von C. A. Fries wurden ebenfalls Landschaftsmaler, reichten aber an die Bedeutung ihres Bruders Ernst nicht heran.

1826 erwarb C. A. Fries das Anwesen in der Plöck, das vorher der Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß ab 1807 bewohnt hatte und das im 18. Jahrhundert das Anatomie-Institut der Universität war. Von 1840 bis 1858 gibt das Heidelberger Adressbuch Plöckstr. 105 (früher A 288) als seine bzw. seiner Witwe Wohnung an.

Nordseite der Peterskirche mit dem Wohnhaus Fries rechts
Zeichnung von Ernst Fries, 1828/29
(abgedruckt in: Ernst Fries : Heidelberg 1801 - 1833 Karlsruhe. – Heidelberg, 2001. – Seite 76)

Generationenwechsel im Hause Fries

Der Generationenwechsel spiegelt sich in den Heidelberger Adressbüchern. 1840 werden erstmals der Sohn Hermann und der Schwiegersohn Robert Fremerey genannt. Beide wohnten bei der Krappfabrik, während für C. A. Fries die Plöckstr. 105 angegeben ist.

Robert Fremerey (1809-1874), der Sohn eines Eupener Tuchfabrikanten, hatte 1834 Emilie Fries (1812-1883) geheiratet. Er wohnte bis 1848 bei der Krappfabrik und bezog dann sein eigenes Haus in der Friedrichstr. 1. Sein Beruf wird bis 1852 als Kaufmann bzw. Bankier angeben; ab 1854 — mit 45 Jahren — ist er als „Privatmann“ eingetragen.

Hermann Fries (*1809) hatte 1836 in Karlsruhe die Pfarrerstochter Christina Maria Louise Dietz (* 1810) geheiratet; sein Schwager Robert Fremerey war Trauzeuge. Von 1840 bis 1858 wohnte er mit seiner Familie in der Rohrbacher Straße und verwaltete die Fabrik. 1854 stellte er die Produktion von der Pflanzenfarbe Krapp auf das synthetisch herzustellende Ultramarin um.

Ultramarin wurde ursprünglich aus Lapislazuli gewonnen und war eine der teuersten Farben. 1828 gelang Christian Gottlob Gmelin in Tübingen die synthetische Herstellung des Farbstoffs, die 1845 durch Wilhelm Büchner in Pfungstadt vereinfacht wurde. Man benötigt Kaolin, Natriumsulfat, Natriumkarbonat (Waschsoda), Schwefel und Aktivkohle.
1846 wird Heinrich Fries (1811-1857) erstmals mit eigener Adresse genannt: Kaufmann und Bankier in der Augustinergasse. Er hatte 1844 in Langensalza Julie Louise Dorothea Weiß, die Tochter eines Spinnereibesitzers geheiratet. Bis zu seinem Tod im Oktober 1857 wohnte der Bankier Heinrich Fries in der Augustinergasse 5 (früher C 79). Im Adressbuch für das Jahr 1858 wird hier seine Witwe benannt.

Er oder seine Witwe veräußerten das Bankgeschäft an den Mannheimer Bankier Carl Heinrich Wilhelm Köster, der zunächst auch die Räumlichkeiten in der Augustinergasse weiter nutzte, aber 1859 in die Hauptstr. 120 umzog.

Verlust von Bank und Fabrik

Zwischen 1857 und 1859 verlor die Familie Fries Fabrik und Bank und damit auch die Malersöhne Wilhelm und Bernhard ihr Vermögen.

Im Februar 1857 starb Louise, die Witwe des Malers Ernst Fries, in Heidelberg, wo sie seit mindestens 1839 mit ihren ledigen Töchtern Maria und Anna lebte; am 16. Oktober folgte der Bankier Heinrich Fries. Er war 46 Jahre alt geworden; das Totenbuch von Hl. Geist benannte wie üblich keine Todesursache. Christine, die Witwe C. A. Fries' starb im April 1858.

Anfang 1859 wurde der Verlust des Familienvermögens offenkundig.
Das Haus in der Plöck 105 [Anm. 4] war inzwischen das Eigentum der Stadt Heidelberg. Hier wurde im Januar 1859 [Anm. 5] die Fries'sche Gemäldesammlung (146 Gemälde und vier Gobelins) versteigert. Die Werke Ernst Fries' erzielten bedeutende Summen, wie das Heidelberger Tagblatt am 18. Januar 1859 berichtete.
Am 21. Januar [Anm. 6] folgte die Versteigerung von Wertpapieren aus dem Nachlass der Witwe Fries, die u.a. 12 Aktien der Ultramarinfabrik von Hermann Fries & Comp. enthielten.
Am 14. Februar [Anm. 7] wurde auf Betreiben des Tabakfabrikanten Thomas Gätschenberger das der Familie gehörende Haus Plöck 56 [Anm. 8] samt Zubehör wegen „Unterpfandsabtretung“ versteigert. Und am 4. April [Anm. 9] bot Hermann Fries einen Weinberg zur Versteigerung an.
Das Bankhaus in der Augustinergasse [Anm. 10] erwarb der Wirt Carl Janson. Im Heidelberger Tagblatt vom 20. Aug. 1859 kündigte er für den Folgetag die Eröffnung seiner neuen Wirtschaft „Zum deutschen Haus“ in der Augustinergasse 5 an.


Hermann Fries und die Witwe seines Bruders Heinrich wurden 1858 letztmalig im Heidelberger Adressbuch genannt.

Hermann Fries hatte einen Sohn (Ernst * 24. Sept. 1837), der in Heidelberg Chemie studierte und sich so auf die Leitung der Ultramarinfabrik vorbereitete. Dieser wurde im Adressbuch der Universität bis zum Wintersemester 1858/59 (Nov. 1858) mit der Adresse Rohrbacherstr. 13 geführt. Im Sommer 1859 (Juni 1859) — er hatte am 7. März 1859 seinen Doktor [Anm. 11]gemacht — erscheint er als Untermieter in der Karlsstr. Daraus kann man schließen, dass die Familie Fries das Wohnhaus in der Rohrbacher Straße bis zum Juni 1859 geräumt hatte.

In Heidelberg finden wir 1860 von den vielen Kindern Christian Adam Fries' noch den Sohn Bernhard und die Tochter Emilie Fremerey mit ihrem Gatten Robert, sowie die ledigen Töchter Maria und Anna des Malers Ernst Fries.
Alle anderen Einwohner mit Namen Fries sind Fischer, Landwirte und Handwerker und vermutlich nicht mit Christian Adam Fries verwandt.

Hermann Fries, seine Frau Christina und sein Sohn Ernst sowie die Witwe Julie seines Bruders Heinrich sind weder in den Totenbüchern von St. Peter noch in denen von Hl. Geist genannt. Sie müssen daher Heidelberg um 1860 verlassen haben. Für die Familie Hermann Fries' ist die Auswanderung nach Nordamerika denkbar, denn Hermann Fries war gemäß einer Anzeige der von Washington Finlay betriebenen Nordamerika-Auswanderer-Agentur, die in der Deutschen Zeitung vom 4. Juli 1848 erschien, der für Heidelberg zuständige Mitarbeiter der Agentur.

Der Maler Bernhard Fries ist nach 1860 nach München verzogen. In Heidelberg verblieben Robert Fremerey († um 1875) und seine Frau Emilia († 1883) sowie die Töchter Maria und Anna des Malers Ernst Fries, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1907 bzw. 1911 weiterhin in Heidelberg lebten.

Die Heidelberger Ultramarinfabrik



Die Ultramarin-Fabrik wird im Heidelberger Adressbuch bis 1878 angegeben.


Im Januar 1859 war die Umwandlung der Fries'schen Ultramarinfabrik in eine neue Aktiengesellschaft vollzogen, wie das „Comité der Heidelberger Ultramarin-Fabrik“ im Heidelberger Tagblatt am 12. Januar vermeldete. Der neue Direktor Hermann Hundt aus Aachen blieb nur kurze Zeit in Heidelberg; bereits im Adressbuch von 1863 wurde er nicht mehr genannt. Hermann Fries wurde in der Anzeige nicht erwähnt.

Anzeige im Heidelberger Tagblatt vom 12.1.1859 bezgl. der Ultramarin-Fabrik

Bereits bei der Gründung 1854 stellte Hermann Fries den Chemiker Emil Böckmann (* 1811 in Erbach), der 1842 bei Liebig promoviert wurde, als technischen Fachmann ein und überließ ihm eine Wohnung bei der Fabrik.
Am 10. Dezember 1858 schloss Böckmann mit der neuen Gesellschaft „Heidelberger Ultramarinfabrik“ einen Arbeitsvertrag, der ihm neben seiner Besoldung noch einen Gewinnanteil zusicherte.
Er erhob Klage gegen die am 30. Juni 1862 ausgesprochene Entlassung durch die Generalversammlung; diese wurde erst am 7. Juni 1867 abgewiesen.[Anm. 12] In der Zwischenzeit wohnte Böckmann weiterhin bei der Fabrik.

Von 1867/68 bis 1874 war Dr. Georg Lippert, der früher für das chemische Laboratorium von Carl Remigius Fresenius (1818-1897) in Wiesbaden gearbeitet hatte, Direktor der Farbfabrik.

1875 wird das Inventar der Fabrik nach Schweinfurt verkauft und 1879 sind die Fabrikgebäude abgerissen und das Areal wird als Bauplatz ausgewiesen.


Literatur:

Wikipedia-Artikel „Christian Adam Fries“
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Adam_Fries
Buselmeier, Michael:
Literarische Führungen durch Heidelberg. – Heidelberg, 2007.
S. 71 und 334ff.
Lohmeyer, Karl:
Heidelberger Maler der Romantik. – Heidelberg, 1935
Mertens, Melanie:
Stadtkreis Heidelberg : Teilbd. 1. – Ostfildern, 2013
Wechssler, Sigrid:
Ernst Fries (1801 - 1833). – Heidelberg, 2000
Badische Standesbücher für Nordbaden 1810-1870 digital
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/startbild.php?bestand=12390
Enzyklopädie des Heidelberger Geschichtsvereins
http://haidelberg-start.jimdo.com/enzyklop%C3%A4die/
insbesondere die Seiten zu Christian Adam Fries,   Ernst Fries   und   Bernhard Fries
Heidelberger Adressbücher digital
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/hdadressbuch.html
Heidelberger Tagblatt 1858-1860
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtb



Anmerkungen

  1. Christian Adam Fries hatte die Kinder:
    geboren  Name  Heirat
    1800 1832 Christina Luisa Amalia 1823 August Feldhoff (1800-1844)
    22. Juni 1801 1833 Adam Friedrich Carl Ernst 1829 Louise Stockhausen (1804-1857)
    1802 1882 Maria Friederica 1830 Johann Carl Thilo (1794-1853)
    1803 1878 Carolina Juliana Susanna 1825 Carl Benjamin Simons (1790-1837)
    1805 Carolina Sophia Augusta ... 1827 Lucas Schönmann (Nachname schwer leserlich) (*1799)
    1809 Hermann Friedrich Wilhelm 1836 Christina Maria Louise Dietz
    3. Feb. 1811 1857 Heinrich Ludwig Friedrich Carl 1844 Julie Luoise Dorothea Weiß
    3. Feb. 1812 1883 Karoline Luisa Wilhelmine Emilia 1834 Robert Fremerey (1819-1874)
    20. Mai 1813 1855 Hulda Johanna Amalie Karoline Luise 1843 Knudt Jungbohn Clement aus Norddorf auf Amrum (1803-1873)
    17. Jan. 1816 Karoline Johanna Sophie Charlotte
    20. Mai 1819 1878 Friedrich Christian Wilhelm
    16. Mai 1820 1879 Jakob Daniel Georg Gottlieb Bernhard 1856 Sophie Feldhoff (*1826), seine Nichte
    25. Jan 1823 Johanna Katharina Elisabeth Luise (Elise)
    Die Geburtsdaten ab 1811 sind dem Geburtenbuch von St. Peter in Heidelberg entnommen. Zwei weitere Kinder wurden zwischen 1803 und 1810 geboren.
  2. Vgl. Leonhard, Carl Cäsar von: Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgebung. – Band 1 (1834), S. 120
  3. Der von Ludwig Hoffmeister 1812 gezeichnete Stadtplan zeigt die Krappfabrik in der Mitte rechts mit der Bezeichnung „Krappfabrik C. A. Fries“
  4. Zunächst nutzte die Stadt das Haus in der Plöck 105 als Pfründnerhaus. Doch bereits 1863 finden wir in diesem Haus das Töchter-Erziehungsinstitut von Babette Schottler, das nur zwei Jahre später in die Leopoldstr. (heute: Friedrich-Ebert-Anlage) 39 wechselte. Das Haus wurde nunmehr als Evangelisches Schulhaus genutzt. 1867/68 entstand das von Ludwig Lang (Baden-Baden) entworfene Neue Schulhaus im davorliegenden Garten. Das neue Haus wurde 1870 Simultanschule, d.h. gemeinsame Schule aller Konfessionen. Das alte Haus wurde 1903 beim Bau der Turnhalle abgerissen.
  5. Anzeige im Heidelberger Tagblatt vom 1. Jan. 1859:

    Versteigerung von Kunstgegenständen.
    Aus der Verlassenschaftsmasse der verstorbenen Banquier Christ. Adam Fries Wittwe wird am
        12. Januar 1859 und die folgende Tage,
    Vormittags von 9 bis 12 und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, in dem städtischen Gebäude, Plöckstraße Nr. 105, der Erbvertheilung wegen öffentlich versteigert:

    eine sehr werthvolle Sammlung von Oelgemälden älterer und neuerer Meister, 4 alten Gobelins, Aquarellen, Handzeichnungen, Kupferstichen und Lithographien.

    Unter den Oelgemälden befinden sich Originalien von A. Caracci, P.Veronese, Zurbarom, Hobbemma, Ruisdael, Swanenfeld, Ferd. Kobell und Ernst Fries.

    Die öffentliche Ausstellung der Kunstgegenstände findet 8 Tage vor der Versteigerung, jeden Tag von 10 bis 1 Uhr, in dem Versteigerungslocale statt.

    Kataloge sind insbesondere in der accademischen Kunst- und Musikalienhandlung von L. Meder hier gratis zu erhalten.

  6. Die Versteigerung wurde am 20. Jan. 1859 im Heidelberger Anzeigeblatt angekündigt.
  7. Anzeige vom 25. Jan. 1859 im Heidelberger Anzeigeblatt, S. 1.
  8. Das Haus in der Plöck wurde 1783 errichtet und im 19. Jahrhundert aufgestockt (vgl. Mertens, S. 414). 1848/49 hatte es Heinrich Fries von der Witwe Hexamer erworben. Im Adressbuch von 1858 ist die Witwe von Heinrich Fries als Besitzer genannt. Bei der Versteigerung 1859 versicherte ihr Schwager Robert Fremerey, Besitzer der Immobilie zu sein. Es ist anzunehmen, dass sich Julie Fries zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Heidelberg aufhielt.
  9. Anzeige im Heidelberger Tagblatt vom 1. April 1859.
  10. Das Haus in der Augustinergasse 5 (jetzt: Merianstr. 1) wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts für Friedrich von Hertling (1680-1749) errichtet (vgl. Mertens, S. 367), der von 1709 bis 1739 Jura-Professor an der Heidelberger Universität war und von 1739 bis zu seinem Tod 1749 das Amt eines Regierungs-Vizekanzlers ausübte. Das Wirtshaus „Zum Deutschen Haus“ wurde bis zum Ende des 2. Weltkrieges betrieben. Außerdem befanden sich im Haus Mietwohnungen. Eine davon hatte der Heidelberger Mathematikhistoriker Moritz Cantor (1829-1920) von 1863 bis 1868 inne. Von 1920 bis 1931 gehörte das Haus mit seinem Nebengebäude zu der von Viktor M. Goldschmidt und seiner Frau 1919 geschaffenen Josefine und Eduard von Portheim-Stiftung. 1967 wurde das Haus entkernt; nur die schlichte barocke Fassade blieb erhalten.
  11. Vgl. Heidelberger Jahrbücher. Band 52,1.2 (1859), S. 963
  12. Vgl. Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrecht. – Band 19 (1870), S. 54-58



Redaktion:   Gabriele Dörflinger   März 2019

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