Heidelberg:
Knut Jungbohn Clement

Knut Jungbohn Clement (* 4. Dez. 1801 in Norddorf auf Amrun, † 7. Okt. 1873 in New Jersey) war ein Linguist, der sich vor allem mit der Friesischen Sprache beschäftigte. Er war der Sohn eines vor 1833 verstorbenen Schiffskapitäns. Er studierte in Kiel Theologie und vom WS 1833/34 bis zum WS 1834/35 in Heidelberg Philosophie und Sprachwissenschaften. In Heidelberg wohnte er unweit der Peterskirche in der Klingentorstr. 8. Hier lernte er Hulda Louise Fries (1813-1855), die Tochter des Krappfabrikanten Christian Adam Fries kennen und lieben.

Sein Studium schloss er 1835/36 in Kiel mit der Promotion „Ueber den Ursprung der Theudisken“ ab. Hier vertrat er die These, dass die Friesen das eigentliche urdeutsche Volk seien. Die Promotion wurde nicht ohne Bedenken bewilligt. So schrieb die Philosophische Fakultät der Universität:

„Seine Probeschrift unter dem Titel de origine Theudiscorum behandelte die Grille, daß ein Theil der Franken, u. unter diesen vornämlich die Friesen das eigentliche, wahre, und alleinige urdeutsche Volk seien. Diese Grille war nicht bloß ohne gute Ordnung, sondern auch mit dem absprechendsten Urtheile und ohne vorher die einschlägige Literatur wirklich studirt zu haben ausgeführt; namentlich wußte der Verfasser, da er doch [?] ein Thema aus der altfränkischen Geschichte behandelt hatte, Nichts von der Entstehung der fränkischen Annalen, der Hauptquelle für seine Frage.“

Vgl. Nachlass Clement

In den folgenden Jahren bekräftigte er die Ansicht, dass die Nordgermanen und insbesondere die Friesen allen anderen Völkern rassisch überlegen seien und stützte so den Germanenmythos des 19. Jahrhunderts.

Nach erlangter Promotion schickt er seine Promotionsschrift an Huldas Vater. Dieser antwortete am 6. Juni 1836:

Heidelberg, 6. Juny 1836

Lieber Herr Clement

Wenn ich auch späth dazu gelange Ihnen für das mir güthigst übersandte Büchlein meinen Dank schriftlich abstatten zu können, so geschieht dies nicht mit geringerer Wärme als ich von Anbeginn empfunden. Mit Vergnügen habe ich es gelesen und mich daran ergözt, wie Sie den phantasierenden Mystikern einen Circumflex versezten. Das Büchlein habe ich auch Prof. voss [?] gesandt, auch alle Inlagen befördert, bis auf eine.

Zu Ihrem Vorhaben u. Reisen wünsche ich Ihnen von Herzen Gedeihen und Glück, damit Sie in Ihrer Laufbahn bald in einen sicheren Hafen gelangen mögen, zu einer Anstellung, die Ihre Existenz sichert. Solange aber ein solches Ziel nicht erreicht ist, so lange dürfen Sie nicht dahin wirken, das Schicksal eines Mädchen an das Ihrige zu knüpfen, dies wäre eine Aufopferung, wozu keiner mit Besonnenheit sich entschließen würde, noch weniger dürfen Eltern sie zulassen, ohne heilige Pflicht zu verletzen. Ein anderes würde seyn, wenn Sie als ein Mann auftreten könnten, dessen [.?.] mit Familie und hinlänglichen Auskommen auf eine sichere Weise besteht, dem die Erreichung eines solchen Zwecks bereits gelungen ist. Sie können also nicht verargen, wenn wir Ihren Brief nicht übergeben, sondern etwa nur sorgfältig aufbewahrt wird. Keines zarten Mädchens Ruhe darf aufs Spiel gesezt werden, das werden Sie, nach Grundsätzen, selbst begreifen und billigen.

An Ihrem Schicksal werden wir stets aufrichtig Antheil nehmen und alle [.?.]gehende Veränderungen sollen uns sehr interessieren je mehr sie zu Ihrem Vortheil sind.

Leben Sie wohl, von uns allen herzlich gegrüßt, meine Hochachtung und freundschaftliche Ergebenheit versichert

Christian Adam Fries

Anmerkung:
Man darf vermuten, dass Clement mit diesem Schreiben einen Heiratsantrag verband, den C. A. Fries in Anbetracht der unsicheren Erwerbssituation Clements noch nicht bewilligte.
Der im Schreiben erwähnte Prof. Voss ist evtl. Abraham Voß, der jüngste Sohn des Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß. Dieser wirkte als Gymnasialprofessor in Kreuznach und widmete sich vorzugsweise der griechischen und englischen Sprache. Als Käufer des Voss'schen Hauses in der Plöck 105 kannte Fries die Familie.

Clement ging 1836 nach Kopenhagen und der dänische König bewilligte ihm ein Stipendium für eine dreijährige Studienreise durch Westeuropa. Im Anschluss daran bewarb er sich 1841 erfolgreich um eine Privatdozentenstelle an der Universität Kiel. Er hielt gutbesuchte Vorlesungen zur Geschichte, zur dänischen Sprache, zu Tacitus und zu Shakespeare. Damit war die Bedingung seines Schwiegervaters erfüllt und er heiratete am 19. April 1843 Hulda Louise Fries — nach seiner Aussage „ von außen und innen ein wahrer Engel und welche der Geheimrath Schlosser die Perle Heidelbergs genannt hat“. Aus dieser Verbindung gingen 7 Kinder hervor, von denen zwei vor 1855 starben.

Im April 1848 sollten alle dänischen Professoren nach Kopenhagen gebracht werden; Clement aber zog nach Hamburg. Ab diesem Zeitpunkt erhielt er kein Gehalt mehr und arbeitete als freier Schriftsteller. In den ersten Jahren wurde sein Einkommen durch das Erbteil ergänzt, das seiner Frau wegen des 1847 erfolgten Todes ihres Vaters C. A. Fries zufloss.

Hulda Louise starb am 29. März 1855. Ihren Tod hat Clement nie überwunden. Seine älteren Söhne schickte er auf das Pietisteninternat in Korntal bei Stuttgart; die beiden jüngsten Kinder nahm eine Nichte seiner Frau in Obhut. Vergebens bemühte er sich nach dem Tod seiner Schwiegermutter 1858 um eine Erbauszahlung.

Er lebte bis 1869 in Hamburg, dann zwei Jahre auf Amrum und ging 1871 nach Amerika zu seinem Sohn Ermin, wo er 1873 starb.

Literatur

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Knut_Jungbohn_Clement
Nachlass: http://jessen.bplaced.net/archiif/schrif/neuclem.htm


Redaktion:   Gabriele Dörflinger  : April 2019

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