Siegmund Günther in Heidelberg

Das Wintersemester 1866/67 verbrachte Siegmund Günther in Heidelberg. Am 2. November 1866 immatrikulierte er sich für Mathematik und Physik an der Heidelberger Universität. Matrikelverzeichnis. An der Heidelberger Universität studierten in diesem Semester 644 Studenten, von denen 175 — wie Günther — der Philosophischen Fakultät angehörten.

Heidelberg war zu diesem Zeitpunkt eine Kleinstadt mit 18.000 Einwohnern.


Plan von Heidelberg und Umgebung. - Heidelberg : Meder, [1869]
Enthalten in: Oncken, Wilhelm: Festschrift für den Achten Deutschen Juristentag in Heidelberg. - Heidelberg : Mohr, 1869
Signatur UB-Heidelberg: I 3331 D

Das Naturwiss. Institut ist grün und das Hauptgebäude der Universität ist blau markiert. Die im Osten der Stadt gelegene Wohnung Günthers ist durch einen orangefarbenen Punkt gekennzeichnet. Der Weg von seiner Wohnung zum Institut ist 1,2 km lang und kann in 15 Minuten zurückgelegt werden.
Die Odenwald-Eisenbahnlinie am Südrand der Stadt war 1862 eröffnet worden.

Dem Adressbuch der Universität ist zu entnehmen, dass Günther im Burgweg 3 bei den Geschwistern Möckel wohnte. Das Adressbuch der Stadt gibt an, dass das Anwesen dem Schieferdecker H. Möckel gehörte.


Heidelberg, Burgweg 3
Foto: Gabriele Dörflinger, 2016

Das Haus, das gerade unterhalb des Schlosses liegt, wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts über den Kellern des im Pfäzischen Erbfolgekriegs zerstörten Vorgängerbaues errichtet. Das Haus hat einfache Ohrenfenster, wie sie zu dieser Zeit von mehreren Baumeistern verwendet wurden, und ein Rundbogenportal. Der Architekt ist nicht bekannt. Im Innern sind noch Stuckdecken aus der Erbauungszeit vorhanden. Das Haus beheimatet jetzt das Lotte-Hostel.
Tor des Hauses Burgweg 3 Blick zum Heidelberger Schloss
Fotos: Gabriele Dörflinger, 2016

Die gegenüberliegende Station der Heidelberger Bergbahn, die 1890 eröffnet wurde und in den ersten Jahren mit einem Schwerkraftantrieb (Wassertank im unteren Teil des Wagens) betrieben wurde, ist zu Günthers Zeit noch nicht vorhanden. Die heutige Talstation wurde von 1969-1971 von den Architekten Gerhard Hauss, Hans Richter & Partner errichtet.


Siegmund Günther konnte im Wintersemester 1866/67 Lehrveranstaltungen von Moritz Cantor, Otto Hesse, Paul du Bois-Reymond, Hermann Helmholtz, Gustav R. Kirchhoff, Robert W. Bunsen und Hermann Kopp besuchen. Das Vorlesungverzeichnis benennt u.a. folgende Veranstaltungen:

Mathematische Wissenschaften

Moritz Cantor
Arithmetik und Algebra
Ebene und sphärische Trigonometrie
Einleitung in die Zahlentheorie
Privatissima über alle Theile der Mathematik
Paul du Bois-Reymond
Determinantentheorie
Kugelfunctionen
Aus dem Gebiete der Elemente der Infinitesimal-Analysis
Otto Hesse
Differentialrechnung
Analytische Geometrie der Ebene mit Übungen
Naturwissenschaften
Hermann Helmholtz
Allgemeine Resultate der Naturwissenschaften; erster kosmologischer Theil
Gustav R. Kirchhoff
Experimentalphysik
Theoretische Physik
Theorie der Elasticität fester Körper
Hermann Kopp
Grundzüge der Meteorologie und Klimatologie
Robert W. Bunsen
Experimentalchemie mit praktisch-chemischen Uebungen
Moritz Cantor bot im Winter 1866/67 noch keine Vorlesung zur Mathematikgeschichte an.


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