Nikolaus von Kues

aus: Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschafften und Künste, Halle und Leipzig
Bd. 24. Neu-NZ, (Reprint 1961), Sp. 607-608

Nicolaus von Cusa oder Cusanus, Cardinal und Bischoff zu Brixen, hatte seinen Zunamen von seinem Geburts-Orte, einem kleinen Dorff an der Mosel in dem Ertz-Stifft Trier, allwo sein Vater ein Fischer, Namens Krabsheim, soll gewesen seyn, bekommen. Er war ein Mann von ungemeiner Gelehrsamkeit und Gaben, insonderheit ein vortrefflicher Jurist und Theologus. Er durchstieg fast alle geistliche Würden, und suchte anfangs das Ansehen des Concilii zu Basel gegen den Papst zu behaupten. Allein 1437 ließ er sich bewegen, auf des Papsts Seite zu treten. Er kam hierauf als Gesandter etliche mahl nach Deutschland, theils den Kayser und die Deutschen Fürsten gegen das Concilium aufzuhetzen, theils auch um das so genannte heilige Creutz zu predigen, und die Fürsten des Reichs zu einem Zuge wider die Ungläubigen anzureitzen, welche Mühe aber vergeblich war. Wegen des Concilii bediente er sich des seltsamen Grundes, man hätte darum von selbiger Versammlung nichts gutes zu hoffen, weil Basel unter einem schlimmen Gestirne läge. Er bekam 1448 von dem Papst den Cardinals-Hut, und 1450 wurde er Bischoff u. Fürst zu Brixen, gerieth aber 1460 mit dem Ertz-Hertzog Sigismund von Oesterreich wegen Verbesserung des Klosters Sonnenberg in große Streitigkeit, welcher ihn zu Brauneck belagerte und gefangen nahm, darüber aber mit dem Päpstlichen Bann beleget wurde. Hierauf starb der Cardinal zu Todi in Italien den 12. August 1464 im 63. Jahre seines Alters. Er stifftete das Hospital St. Nicolai nahe bey Cusa, seinem Geburts-Ort, und versähe es mit einer herrlichen Bibliothec von Griechischen und Lateinischen Verfassern, gleichwie er selbst viele herrliche Schrifften, welche 1514 zu Paris, und hernach 1565 in 3 Folianten zu Basel aufgelegt worden, verfertiget. Es sind in denselbigen:

  1. de visione Dei.
  2. de docta ignorantia libri III.
  3. Apologia doctae ignorantiae.
  4. de reparatione Kalendarii.
  5. de cribrationibus Alcorani libri III.
  6. de venatione sapientiae.
  7. de ludo globi mystice.
  8. adversus Boemos.
  9. conjecturarum de novissimis diebus libri II.
  10. de tlato Patris luminum.
  11. de quaerendo Deo.
  12. Directorium speculantis.
  13. de filiatione Dei.
  14. Dialogus de Genesi.
  15. de concordantia catholica libri III.
  16. Sermones per annum & epistolae ad diversos.
  17. de Mathematica perfectione.
  18. de berillo.
  19. de apice theorica.
  20. de quadratura circuli.
  21. de fortuna.
  22. Dialogus de Deo abscondito.
  23. de annunciatione Dominica.
  24. Excitationum libri X.
  25. Idiotae libri IV.
  26. de finibus & chordis.
  27. Correctio tabularum Alphonsi.
  28. de Arithmeticae complementis.
  29. de transmutationibus geometricis.
  30. Dialogus de staticis experimentis, der auch besonders gedruckt, Straßburg 1550 in 4.
  31. Complementum theologicum.
Aus seinen Gedancken von dem künfftigen Zustand der Kirchen haben einige ihm Schuld geben wollen, daß er derselben Unfehlbarkeit geleugnet.


Redaktion:   Gabriele Dörflinger

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