Anna von Helmholtz: Briefe 1894/95

An ihre Schwester Ida.
[22. September 1894.]

(Seite 93) Die Wiener Naturforscher haben mich um ein Bild von Hermann gebeten für ihre Eröffnungsfeier. Ich habe Dr. Wachsmuth mit dem Lenbach Bilde, das in Dresden ausgestellt ist — mit Lenbachs Erlaubnis — nach Wien geschickt als meinen Delegierten. Er bringt es selber dorthin und dann hierher zurück. Ich glaube, ich habe ihn damit in seiner persönlichen Stellung zu Hermann dokumentiert, als kleinen Dank für seine viele Liebe


(Seite 103) Berlin, Rauchstraße 3, 9. Februar 1895.
Mein lieber Fritz!
Schon zwei Nächte habe ich hier geschlafen und gestern sind wir fertig geworden. Mein großes grünes Eckzimmer ist wunderschön mit dem sonnigen Erker, der langen Wand, mit Papas Büste, meinen (Seite 104) Büchern, den Lenbachs darüber und am Schlusse mit der großen grünen Sophaecke, die wieder aussieht, wie in der Neuen Wilhelmstraße. Das Musikzimmer mit den Pastellen und Aquarellen und dem Steinway wird sich noch entwickeln. Mein schönes dunkelrotes Speisezimmer mit allen schönen Büffets und unserem Jubiläumsschrank ist noch eiskalt und wird erst im Frühling die Reize seiner großen Terrasse bewähren. Wir haben beständig zehn bis zwölf Grad und dabei umzuziehen, war etwas frisch. Mein Schlafgemach mit Balkon ist genau wie in der Marchstraße, eher noch etwas höher und luftiger; daneben ist mein Herrenzimmer, Dein Wohnzimmer mit Papas Möbeln und Bücherregalen, seinem Kamin und allen Bildern und seinem lieben Schreibtisch in der Mitte. Die Freunde haben alle geholfen.
Deine Mama.


(Seite 114) München, 16. September 1895.
Liebste Ida!
Uns wurde der Abschied aus Berchtesgaden ziemlich leicht, nachdem Ihr doch gegangen wart. Als sich die Wolkenn teilten war der Watzmann tief herab beschneit. Im Summa war es doch so schön da oben und das Schönste war unser Beisammensein. Hier erschien Lenbach sofort und gestern war denn große Steh- und Sitzprobe zu dem Conterfei, das er von mir für Ellen machen soll. Ich werde dabei sehr edel und würdig, ein langes schwarzes Geschöpf, bis dato etwas gespenstig, aber als spätere Ahnfrau wirksam. Lenbach ist ein zu prächtiger lieber Mensch, Genie durch und durch. Sein Atelier, sein Haus und Hof, die Brunnen darin und so weiter, sind aber traumhaft schön. Er ist ein solch treuer guter Freund, der mich einmal ums andere umarmte. Die Stunden fliegen hier nur so dahin. Gestern noch Glaspalast, heute Secession, wo ich viel mehr Talent und weniger Menschen fand, was die Sache erleichterte. Dann Besuch bei Hildebrand im Atelier, der mir seinen Plan für Hermanns Grab zeigte. Mir ist es zu viel Stein und Mauerwerk. Er sagt, das täusche im Modell. ich bin noch nicht ganz dafür und muß es späterhin erst wieder ansehen.


Quelle: Helmholtz, Anna von: Anna von Helmholtz : ein Lebensbild in Briefen / hrsg. von Ellen von Siemens-Helmholtz. - Berlin
Band 2 (1929)
Signatur UB Heidelberg: F 6834-3-44::2


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